Ein Wechselintervall festlegen, das über Nacht trägt
Mannloser Betrieb braucht keine längere Standzeit. Er braucht eine vorhersagbare Standzeit — und eine Regel für das, was an deren Ende passiert.
Der Bediener, der früher hörte, wenn ein Werkzeug nachließ, hat Qualitätssicherung betrieben. Fällt die Schicht weg, muss diese Aufgabe vorab erledigt werden — rechnerisch. Die Frage ist nicht mehr, wie lange ein Werkzeug hält, sondern wie eng dieser Wert streut.
Die mittlere Standzeit ist die falsche Zahl
Ein Werkzeug mit durchschnittlich 340 Teilen und einer Streuung von ±20 ist nützlicher als eines mit 500 Teilen und ±180 Streuung. Das erste lässt sich bei 300 wechseln und überrascht nie. Das zweite muss zur Sicherheit bei 320 gewechselt werden — und verschenkt damit mehr Schneide, als das erste je hatte.
Die Streuung ist eine Eigenschaft von Werkzeug und Prozess gemeinsam. Diese Anteile lassen sich beeinflussen:
- Chargenkonstanz des Werkzeugs selbst — Geometrie, Schneidkantenpräparation und Schichtdicke gemessen, nicht angenommen.
- Rundlauf an der Schneide. Zwei Mikrometer Rundlaufabweichung an einem vierschneidigen Fräser bedeuten, dass zwei Schneiden die Arbeit von vieren leisten.
- Kühlmittel, das in jedem Zyklus mit Druck an die Schneide gelangt — auch im ersten Zyklus nach einer Pause.
- Aufmaßschwankung am Rohteil, bei den meisten Gussteilen die größte unkontrollierte Eingangsgröße.
Das Intervall aus gemessenen Schneiden aufbauen
Fahren Sie zwölf Schneiden unter Produktionsbedingungen bis zum echten Standzeitende — nicht an der Probestange. Notieren Sie die Stückzahl je Schneide. Nehmen Sie den niedrigsten der zwölf Werte, nicht den Mittelwert, und setzen Sie das Intervall zehn Prozent darunter. Diese Zahl trägt über Nacht — und liegt meist innerhalb von fünfzehn Prozent dessen, was ein aufmerksamer Bediener manuell erreicht hat.
Ein aus der schlechtesten gemessenen Schneide abgeleitetes Intervall kostet einige Prozent Standzeit. Ein aus dem Mittelwert abgeleitetes Intervall kostet irgendwann eine Nachtschicht Produktion.
Festlegen, was am Ende passiert
Das Intervall ist nur die halbe Regel. Die andere Hälfte ist die Reaktion der Maschine: Schwesterwerkzeug, kontrollierter Halt oder aktuelles Teil fertigstellen und anhalten. Was auch immer gewählt wird — es muss vor der ersten mannlosen Schicht programmiert sein und nicht währenddessen entdeckt werden.


